Veranstaltung

Klassiker des Monats : HUGO (ITE)

Freitag, 1. Februar, 2019
Hugo
ITE (TV, PC & Heimcomputer, Konsolen & Handhelds), ab 1994
PRÄSENTIERT VON : MASCHA TOBE

1993, Wohnzimmer.
Ich komme aus dem Kindergarten nach Hause, schleudere die Gummistiefel in die eine und den Benjamin-Blümchen-Mini-Rucksack in die andere Ecke des Hausflurs. Aus dem Wohnzimmer dudeln seltsame Töne. Als ich um die Ecke biege, sehe ich meinen Vater, völlig in das Bild versunken. In seinen Händen hält er etwas Graues und über den Bildschirm huscht ein pixeliger Klempner. In den kommenden Jahren wird mein Vater hier unzählbare Stunden mit Spielen verbringen. Auch ich werde viele Regennachmittage hier sitzen. Spielen werde mit diesem SNES aber nie. 1993 nämlich bin ich gerade einmal 4 Jahre alt. Mir fehlt nicht nur die Feinmotorik, meine Eltern halten mich zu meinem Leidwesen auch für viel zu jung für Videospiele.

1995, Arbeitszimmer.
Das SNES wird von einer Staubschicht bedeckt. Der abgegriffene Controller liegt seit Wochen auf dem zusammengerollten Kabel, das ihn mit der Konsole verbindet. In dem Arbeitszimmer meines Vaters steht nämlich nun eine graue Kiste, daneben ein Monitor und ein Joystick, an dem mein Vater sich nun die Finger wund spielt. Einen Klempner gibt es hier nicht. Stattdessen navigiert mein Vater sich durch die dreidimensionale Welt von DOOM und verscheucht mich jedes Mal, wenn ich mal wieder neugierig um die Ecke luge. Mal wieder darf ich nicht spielen. An der Feinmotorik kann es nun aber wirklich nicht mehr liegen. Was soll das bloß?

1995, Wohnzimmer.
Auch im Programm des Neunziger Jahre-Privatfernsehens sind die Computerspiele angekommen. In der ‚Hugo Show‘ auf Kabel 1 kann man sogar live spielen. Im Zentrum des Spiels, das verrät der Name der Sendung bereits, steht Hugo. Hugo ist ein Troll mit großer Nase und fusseligem Haar. Zu Beginn jeder Sendung wird eines seiner Familienmitglieder von einer Hexe mit dem überaus kreativen Namen Hexana entführt.
Um die entführten Trolle zu retten, kann das spielwillige Publikum anrufen und dann mit den Telefontasten die Trollfigur durch unterschiedliche Geschicklichkeitsspiele wie eine Wildwasser- oder Draisinenfahrt oder einen Segelflug navigieren.
Stets lockt ein verführerischer Preis wie ein schickes Sofa oder ein sportlicher Roller. Meist ist die Navigation allerdings so zeitversetzt, dass der Preis nicht den Besitzer wechselt.
Jeden Tag auf dem Weg von der Schule nach Hause hoffe ich nichts sehnlicher, als dass meine Mutter irgendwo aufgehalten wurde und ich kurz alleine bin. Und wenn ich erstmal alleine zu Hause bin, dann schnappe ich mir das Telefon. Dann rufe ich in der ‚Hugo Show‘ an, rette Hugos Familie und gewinne irgendeinen tollen Preis.
Auf diesen Tag warte ich vergebens. Werde ich jemals selbst spielen?

1999, Kinderzimmer.
Es ist ein kalter Februartag, aber nicht irgendeiner. Es ist mein zehnter Geburtstag. Als ich meinen Ranzen in mein Zimmer bringe, traue ich meinen Augen kaum. Auf meinem klobigen Kinderschreibtisch aus Kiefernholz steht ein winziger, aber dennoch sehr raumgreifender Monitor, unter dem Tisch steht ein grauer Tower und neben der Tastatur liegt eine CD-Hülle, von der mich der Fernsehtroll Hugo angrinst. Hugo Gold von 1998 versammelt all die Geschicklichkeitsspiele, die ich aus dem Fernsehen kenne und liebe.
Na klar, Hausaufgaben soll ich mit dem Gerät machen. Aber eben nicht nur das.
Endlich darf ich spielen. Endlich beginnt sie, meine eigene Spiele-Biografie. Nach Hugo werden noch viele Spielfiguren kommen, mit denen ich mich identifizieren werde. Aber Hugo, der wuschelhaarige finnische Troll, wird immer der erste, der Anfang meiner Spiele-Geschichte, sein.
Ort: Dauerausstellung
Tag: 1. Februar, 2019
Zeit: 10:30 Uhr
Kontakt
Computerspielemuseum
Karl-Marx-Allee 93a
10243 Berlin

Besucherservice:
Tel.: +49 30 6098 8577
(täglich 10-20 Uhr)