Warum wir unser Museum noch nicht öffnen
Freitag, 23. April, 2021
Liebe Besucherinnen und liebe Besucher,
unser Museum wird voraussichtlich erst ab dem 14. Mai 2021 geöffnet. Das tut uns leid, auch weil wir uns sehr bemüht haben, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um Ihre Gesundheit in der Ausstellung zu schützen.
Wir haben die bisherigen Zwangspausen genutzt, um die Leistung unserer Lüftungsanlage zu verdoppeln, zusätzlich setzen wir Partikelluftfilter ein. Wir halten Desinfektionsanlagen für Sie bereit und setzen ein umfangreiches Hygienekonzept um. Aus der Öffnungszeit des letzten Jahres zwischen Mai und Oktober ist uns kein einziger Fall einer Infektion unserer Besucher mit dem Corona-Virus bekannt.
Die jetzt, auch nach dem Verwaltungsgerichtsurteil vom 1. April, gültigen Regelungen für eine Öffnung sehen vor, dass sich nur ein Besucher je 40 qm Raum gleichzeitig im Museum aufhalten darf, das wären bei uns maximal 15 Personen.
Dem hätten wir folgen müssen, obwohl niemand einsieht, dass der Besuch eines Museums viermal gefährlicher sein soll als der Einkauf in einem mittleren Supermarkt oder in einer Buchhandlung (beide 10 qm). Die Festlegung auf die tagesaktuelle Testpflicht schafft weitere Hürden für den Museumsbesuch.
Eine Einrichtung mit Miet-, Reinigungs- und Stromkosten sowie den Personalkosten für 11 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen kann auf diese Weise nur mit hohen Defiziten betrieben werden.
Das Computerspielemuseum hat in den letzten 10 Jahren seine laufenden Kosten ausschließlich durch den Ticketverkauf, den Museumsshop und die Vermietung von Flächen und Exponaten finanziert, und hat dabei sogar Rücklagen für Notfälle gebildet.
Diese Rücklagen sind nun aufgebraucht. Die Überbrückungshilfen sind nicht geeignet, die fortlaufenden Defizite auszugleichen: Seit Januar musste bei uns jeder ausgegebene Cent über Schulden finanziert werden.
Hinzu kommt das ständig drohende Risiko einer weiteren Stilllegung, nach der eine Wiedereröffnung wirtschaftlich kaum noch möglich wäre.
Viele Bereiche des kulturellen Lebens sind mit nichtstaatlichen Einrichtungen verbunden, die Planungssicherheit und auch kostendeckende wirtschaftliche Erträge brauchen. Ein Großteil der Berliner Kultureinrichtungen lebt von den Einnahmen aus Ticketverkäufen, die seit November 2020 völlig ausbleiben. Dass diese Einrichtungen uns fehlen, werden wir erst spüren, wenn der Punkt der möglichen Umkehr längst überschritten ist.
Wir bedauern sehr, dass Kultur als hochentbehrlicher Luxus gilt, den niemand richtig braucht und die daher als nicht systemrelevant behandelt wird.
Dabei spüren doch Viele nach fünf Monaten der ununterbrochenen Schließung, welcher Verlust an Lebensqualität und auch gemeinschaftsstiftenden Erlebnissen inzwischen eingetreten ist.
Derzeit kämpfen wir um das Überleben einer weltweit einzigartigen Kultureinrichtung. Wir meinen, dass wir dies auch unseren bisherigen Unterstützern schuldig sind: Der erhebliche Teil unserer, der größten europäischen, Sammlung von Artefakten der Computerspielegeschichte, stammt aus Spenden von Privatpersonen.
Dieses Erbe wollen wir, auch für Sie, unsere künftigen Besucher bewahren. Wir hoffen, dass bald politischen Regelungen für das Überleben der nichtstaatlichen Kultureinrichtungen gefunden werden.
Und bitte besuchen Sie uns, wenn es wieder möglich ist.
Dr. Klaus Spieler
Geschäftsführer